LIEBE THEATERGÄSTE!

Das Partout-Ensemble hat beschlossen, das Theater zu Ende seiner 25. Spielzeit am 30. Juni 2021 zu schließen. Diese Entscheidung hat glücklicherweise absolut nichts mit den Covid-19-Einschränkungen zu tun, die uns seit März 2020 das Theaterleben erschwert haben. Als wir erstmals mit dem Gedanken spielten, war Corona für uns alle ein Fremdwort.

Nie hat der Reiz nachgelassen, originelle Geschichten zu erzählen und ungewöhnliche Figuren zum Bühnenleben zu erwecken, die im Gedächtnis haften bleiben und nachwirken. Nie hat die Freude nachgelassen, Ihnen, unserem Publikum, anspruchsvolle Unterhaltung präsentieren zu dürfen!

Warum dann trotzdem ein Schlusspunkt?

Weil wir „Tschüss“ sagen wollen, wenn es besonders schön ist.
Wir wollen den Vorhang fallen lassen in dem erfüllenden Gefühl, 25 wunderschöne Theaterjahre er- und gelebt und die Lübecker Kulturlandschaft deutlich mitgestaltet zu haben.

Und gleichzeitig wollen wir uns befreien von dem permanenten Finanzdruck: Wie erfüllt man vertraglichen Verpflichtungen, ohne immer wieder an den eigenen Gagen zu sparen? Wie fängt man all die regelmäßigen monatlichen Posten und ständig steigenden Fixkosten auf, ohne sich privat zu verschulden? Wie gibt man sich Jahr für Jahr immer wieder neu einen Ruck, um die Stiftungen um Hilfe zu bitten?

Wir setzen mit Dankbarkeit unseren Schlusspunkt: Gegenüber der Stadt, der Possehl- und der Sparkassenstiftung, gegenüber dem Verein ‚Frau und Kultur‘ und den zahlreichen Sponsoren, die 25 Spielzeiten lang unsere Arbeit wertgeschätzt und finanziell unterstützt haben!

Und natürlich gegenüber der GEMEINNÜTZIGEN!
Sie hat diese wunderschöne Etage in der Königstraße 17 ausgebaut und dem Theater Partout die Theaterräume zu Mietbedingungen überlassen hat, die all die Jahre über für uns leistbar waren. Die GEMEINNÜTZIGE hat damit all die Jahre eine sehr wertvolle Förderung der Privattheater-Kultur in Lübeck geleistet, dafür gilt der Vorsteherschaft, auch an dieser Stelle, noch einmal unser ganz besonderer Dank!
Und zu guter Letzt: Danke von ganzem Herzen an unsere treue Theaterseele Torsten Bünning!

Natürlich stand anfangs die Überlegung im Raum, das Theater in andere künstlerische Hände zu legen, ebenso wie es ansteht, zum 1. Juli die Leitung der Schauspielschule an eine jüngere Fachkraft abzugeben. Mit dem Dozenten Daniel Löbmeier ist ein würdiger Nachfolger gefunden, dem wir von Theaterherzen toi, toi, toi wünschen! Aufgrund unserer 22-jährigen Erfahrung mit der Doppelleitung beider Institutionen war uns aber schnell klar, dass sich ein Nebeneinander zweier Betriebe mit unterschiedlichen Leitungspersönlichkeiten ausschließt.

In einem langen Findungsprozess sind wir zu der Entscheidung gekommen, dass wir das beeindruckende 50-jährige Jubiläum der Schauspielschule im Jahr 2021 zum Anlass nehmen möchten, ihr den Raum zu geben, den sie sich wahrlich verdient hat! Und der dank der Obhut der GEMEINNÜTZIGEN auf sicheren Beinen steht! Dieser Mehr-Raum gibt die Möglichkeit, zusätzliche Angebote ins Programm zu nehmen und die Schauspielschule auch zukünftig als eine Bildungseinrichtung zu präsentieren, die über eine konkurrenzlos große Angebotspalette verfügt!

Wir glauben an die Notwendigkeit kleiner Theaterinseln wie das Partout, wir glauben an die Notwendigkeit, „Insel-Institutionen“ wie die Schauspielschule zu erhalten, zu vergrößern und als bewusstes Gegengewicht in unserem immer stärker fordernden Alltag möglichst vielen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zur Verfügung zu stellen! Ohne Vorauswahl, ohne Einschränkung – eine Einrichtung, an der jede und jeder willkommen ist! Und in welcher Theater zu wirklich fairen und erschwinglichen Preisen erlebbar ist!

Verständlicherweise liegt uns das Weiterleben und Wohlergehen dieser ersten KinderschauSPIELschule Deutschlands am Herzen, die 1971 von Marianne Vibach und dem Ehepaar Ute und Roger George gegründet wurde und ab 1998 unter unserer Leitung stand.

Wenn wir denn nun unseren großen Kostüm- und Requisitenfundus, den umfangreichen Möbelfundus und das gesamte technische Equipment der Schauspielschule und dem neuen Einrichtungsleiter Daniel Löbmeier zu treuen Händen übergeben, dann lebt darin auch ein bisschen das Theater Partout weiter. Und wir, die wir mit ungebremster Einsatzfreude unserer theaterpädagogischen Arbeit in diesem Rahmen weiter nachgehen wollen, werden all das Knowhow dieser intensiven 25 Partout-Jahre in unsere Kursarbeit einfließen lassen.

Theater war und ist unsere Leidenschaft, Theaterpädagogik ist unser Bekenntnis, diese Leidenschaft all unseren Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern weiterhin zu vermitteln!

Darüber hinaus wird die Taschenoper Lübeck, die TOL, ihre qualifizierte und engagierte Musiktheater-Arbeit nach Jahren im Stadttheater nun im Theaterhaus fortsetzen und für ein ganz neues musikalisches Leben auf der ehemaligen Partout-Bühne sorgen. Damit wird eine wertvolle Ergänzung zu der theaterpädagogischen Arbeit der Schauspielschule und gleichzeitig ein eigenständiger künstlerischer Bereich geschaffen – ein herzliches Willkommen den neuen Kolleginnen und Kollegen in der Königstraße 17! Seien Sie, liebe Gäste, also weiterhin neugierig und gespannt auf die vielfältigen Aktivitäten im Theaterhaus der GEMEINNÜTZIGEN und halten Sie dieser wunderschönen Spielstätte die Treue!

Natürlich verlief unser Abrunden anders als einst geplant. So hätten wir gerne mit Ihnen, mit all unseren Wegbegleitern und Förderern, mit unseren Sponsoren sowie den zahlreichen ehemaligen Künstler-Kolleg*innen und -Freund*innen im Juni ein rauschendes Theaterfest gefeiert, um die 25 Jahre mit einem künstlerischen Feuerwerk zu beenden. Das Abrunden erfolgte nun in ganz privater Runde: Wunderschön, wenn natürlich auch wehmütig, vor allem aber würdevoll, in dem Gefühl großer Zufriedenheit und Dankbarkeit!

Es war für uns eine besondere Ehre, Ihnen eindringliche Partout-Theater-Abende zu präsentieren.
Ihr zahlreiches Lob, Ihre Anerkennung in mündlicher oder schriftlicher Form war uns stets Ansporn, unserem Anspruch gerecht zu bleiben, niveau- und geistvolle Unterhaltungsgeschichten zu erzählen. Geschichten, die nachwirken und zum Nachdenken anregen. Das ist uns auch meistens gelungen, darauf sind wir wirklich stolz! Die letzte öffentliche Vorstellung war die sehr erfolgreiche Inszenierung der Liebesgeschichte SMS FÜR DICH, die mit den hoffnungsvollen Worten endete: Kommst du? Damals wussten wir natürlich nicht, dass dies die letzten Worte sein würden, bevor der Vorhang fällt. Aber sie sind vielversprechend und wegweisend:
Kommst du? - Aufbruch zu neuen Ufern! Kommst du? - Aufbruch in eine neue künstlerische Lebensphase!